Bildungsforum
Wie die Religionen, so wurde und wird auch das Bildungswesen im Rahmen der Konflikte instrumentalisiert. Insbesondere deshalb, da es in einer „Schlüsselposition” für erfolgreiches Zusammenleben oder Trennung und Entfremdung der Ethnien gesehen wird. Dies und die massive Schädigung von Institutionen (Zerstörung von Schulen, Universitäten und Bibliotheken) haben das Bildungswesen in eine sehr problematische Situation gebracht. Außerdem spielt es hinsichtlich der Entstehung und einer möglichen Lösung des aus anderen Entwicklungsländern bekannten Phänomens des sog. „Brain Drains” und somit bei der zukünftigen Entwicklung der Region eine entscheidende Rolle.
Die Veranstaltung
Der Tod von Slobodan Milosevic am 11. März trug dazu bei, dass die letzte Veranstaltung im Rahmen von LOOK SOUTHEAST, das von Anfang Februar auf den 25. März verschobene Bildungsforum (auch hier verhinderte das Wetter – siehe Interreligiöses Forum – den ersten „Versuch“), eine besondere Aktualität erhielt. Die Reaktionen in der Region auf die Nachricht zeigten einmal mehr die extrem unterschiedlichen Sichtweisen bezüglich der Verantwortung für Krieg und Zerstörung in den vergangenen 15 Jahren. Eine besondere gesellschaftliche Verantwortung trägt hier das Bildungswesen. Diese Thematik war der Schwerpunkt des „Bildungsforums“.
Wie lässt sich in einem multiethnischen staatlichen Gebilde mit schwach entwickelten zivilgesellschaftlichen Instrumenten ein Bildungswesen etablieren, ohne dass es als Spielball nationalistischer Gruppierungen missbraucht wird? - Emir Avdagic, Projektleiter des „Instituts für die Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes / IIZ DVV” (www.iiz-dvv.de) in Sarajevo, berichtete über Chancen und Gefahren für den Bildungssektor. Anhand konkreter Beispiele aus der Arbeit des IIZ / DVV verdeutlichte er die Schwerpunkte der Arbeit vor Ort:
- Beschäftigungsförderung/berufliche Weiterbildung
- Förderung der marginalisierten Bevölkerungsgruppen und von Gruppen, denen nicht gestattet wird, ihre Grundrechte zu verwirklichen (z. B. Behinderte und ethnische Minderheiten)
- Förderung der aktiven Teilnahme der Bürger an Bildungsprozessen
- Strukturaufbau für die Erwachsenenbildung
Als besonderes Beispiel eines erfolgreichen Projektes nannte Herr Avdagic den „Multikulturellen Dialog zur Konfliktbewältigung in Srebrenica“. – Dieser Ort hatte weltweit auf Grund des größten Kriegsverbrechens in Europa seit dem zweiten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangt. Mit seinem Engagement gelang es dem IIZ / DVV 2005, anlässlich des 10 Jahrestages des Verbrechens alle Betroffenen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Eines der gravierenden Risiken für einen kulturellen und gesellschaftlichen Wiederaufbau ist die Emigration der Jugend und Fachkräfte. Mit welchen Strategien und konkreten Mitteln dieser Gefahr im Land begegnet wird, darüber informierte Prof. Dr. Lamija Tanovic von der Universität Sarajevo (www.unsa.ba) anhand des Beispiels der international ausgerichteten so genannten „United World Colleges“, von denen drei momentan in Bosnien-Herzegowina aufgebaut werden.
Bildung als Instrument für die soziale Integration – am Beispiel von Projekten für Roma – Kinder verdeutlichte Dr. Sasa Milic, der Leiter des Pädagogischen Zentrums Montenegro (www.osi.hu/esp/rei/REI_Montenegro.html), was gesellschaftliche Initiativen zu leisten imstande sind und worin die Herausforderungen für den Bildungssektor bestehen. Sowohl die Gesellschaft als auch die Betroffenen sind gefordert. Auf beiden Seiten muss Bildungsarbeit erhebliche Probleme überwinden. Viele kleine Erfolge bestätigen jedoch Richtigkeit des Ansatzes.
Das Georg-Eckert-Institut für Schulbuchforschung (Braunschweig; www.gei.de) forscht seit Jahren im Auftrag internationaler Organisationen wie der OSZE zu „Friedensbauenden Bildungsmaßnahmen” in Bosnien-Herzegowina. Als Vertreterin des Institutes berichtete Katarina Batarilo von den vielen Problemen für den Friedens- und Aussöhnungsprozess vor Ort, die das noch oftmals nach ethnischen Gruppen aufgeteilte Bildungswesen (z.B. getrennter Unterricht, unterschiedliche ethnisch geprägte Lehrpläne und Schulbücher) verursacht.
Viele Teilnehmer empfanden das Bildungsforum als besonders interessant für die Zusammenarbeit mit Südosteuropa. Es war eine aufschlussreiche Veranstaltung und somit ein gelungener Abschluss der Veranstaltungsreihe im Rahmen von LOOK SOUTHEAST.

