Interreligiöses Forum

Die Region ist geprägt von einer beeindruckenden kulturellen Vielfalt, die sich insbesondere in der Koexistenz verschiedener Religionen ausdrückt.

Dies wurde mit Bewunderung gesehen (in der Literatur wird z.B. Sarajevo als „zweites Jerusalem” beschrieben), war einigen lokalen Politikern aber ein Dorn im Auge. Daraus erfolgte eine Instrumentalisierung der Religion, die bis in die Gegenwart fortdauert.

Wenn als Folge des 11. September 2001 verstärkt die Perspektiven der Auseinandersetzung und des Dialogs zwischen den Religionen diskutiert werden, dann betrifft uns diesbezüglich ganz besonders der Balkan als Teil Europas.

Die Veranstaltung

Das erste Forum aus einer Reihe von insgesamt fünf Veranstaltungen begann unerwartet: Sämtliche Gäste aus Bosnien-Herzegowina konnten auf Grund widriger Wetterverhältnisse am Flughafen in Sarajevo nicht anreisen.

Da sich die Gäste aus Montenegro zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg nach Dortmund befanden, wurde das "Interreligiöse Forum" trotz der Schwierigkeiten durchgeführt. Mit Improvisation und viel Engagement aller Beteiligten konnte es letztendlich als Erfolg verbucht werden.

Da die Vorträge schriftlich vorlagen und kurzfristig ein bosnischer Gastdozent der Ruhr-Universität Bochum seine Teilnahme zusagte, war es möglich, den gesamten Programmablauf des Forums beizubehalten.

Boris Kozemjakin, der stellvertretende Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, berichtete von der Arbeit des "Interreligiösen Rates" in Bosnien-Herzegowina. Diese habe sich seit dem Kriegsende 1995 kontinuierlich verbessert, sei aber noch weit von dem entfernt, was für das Funktionieren einer multireligiösen Gesellschaft erforderlich sei. In dem oftmals mühsamen Engagement dürfe man deshalb nicht nachlassen: "Wir müssen das wegen der Tatsache, dass Bosnien und Herzegowina unser gemeinsames Vaterland ist – wir atmen die gleiche Luft, trinken dasselbe Wasser, beten zu einem Gott, nur dass wir dies auf unterschiedliche Arten tun."

Wie groß die Fortschritte in Bosnien-Herzegowina trotz vieler Schwierigkeiten sind, konnte man an dem Vortrag von Metropolit Mihailo, dem geistlichen Oberhaupt der kleinen montenegrinisch-orthodoxen Kirche, ablesen. Dieser berichtete verbittert von den vielen Schwierigkeiten in Montenegro mit der großen orthodoxen Schwesterkirche, der serbisch-orthodoxen Kirche. Hier stehen die Signale nicht auf Dialog. Vielmehr muss im Zusammenhang mit der montenegrinischen Unabhängigkeit mit einer weiteren Eskalation gerechnet werden.

Vorträge zu dem erfolgreichen Modell der multiethnischen und multireligiösen "Schulen für Europa" in Trägerschaft der katholischen Kirche und die Besonderheiten des europäischen Islams in Bosnien-Herzegowina rundeten das Programm der Veranstaltung statt.

Für die Teilnehmer war insbesondere der Vortrag von Dr. Klaus Buchenau (FU Berlin) "Dialog der Kirchen – Dialog der Kulturen" informativ, da er die Entwicklung Südosteuropas im religiösen Bereich umfassend darstellte und somit die Beiträge der Gäste aus der Region in diesen Kontext eingeordnet werden konnten.

Interreligioeses_Forum.pdf

Programmverlauf

5.6 K

Dialog_der_Kirchen.pdf

Beitrag "Dialog der Kirchen"

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