Sozialforum
Konflikte und Isolation in den 90er Jahren haben in der Region zu fast unüberschaubaren gesellschaftlichen Problemen geführt: Armut (fast 2 Million Flüchtlinge und Vertriebene, Arbeitslosigkeit bei über 50%, mehr als 20% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze), Menschenrechtsverletzungen (Kriegsverbrechen und Diskriminierung ethnischer Minderheiten) und Umweltzerstörung (durch Kriegsfolgen und wirtschaftlichen Niedergang).
Das zusammengebrochene soziale Netz erholt sich nur langsam und steht vor gravierenden Veränderungen (z.B. im Gesundheitswesen). Das „Sozialforum” möchte die aktuelle Situation darstellen und nach Lösungsansätzen suchen.
Die Veranstaltung
Trotz des vorweihnachtlichen Termins hatten sich am 10. Dezember mehr als 50 Teilnehmer zum „Sozialforum“ im Rahmen des Projektes „LOOK SOUTHEAST!“ in der Auslandsgesellschaft in Dortmund eingefunden.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Minister für Europa- und Bundesangelegenheiten des Landes NRW, Herrn Michael Breuer. In seiner Rede hob er die Wichtigkeit der europäischen Integration Südosteuropas hervor und begründete damit die Unterstützung der Landesregierung für „LOOK SOUTHEAST!“. In diesem Zusammenhang begrüßte Minister Breuer auch die Förderung des Projektes durch die NRW-Stiftung für Umwelt und Entwicklung.
Vertreter verschiedenster Organisationen und Institutionen aus Bosnien und Montenegro schilderten anschließend sehr anschaulich die aktuelle Situation vor Ort und ihre Arbeit in den Bereichen: Soziale Systeme, Zivilgesellschaft, Menschenrechte und Minderheiten, Kinder- und Jugendliche, Umweltschutz und Geschlechtergleichstellung.
Unter allem ragten zwei Themen ganz besonders heraus:
- Der ernste und bewegende Beitrag zur Frage „Kriegsverbrechen – verhindert Vergangenheit Zukunft?“ von Sinan Alic, dem Vertreter des Helsinki Komitees für Menschenrechte, machte deutlich, dass zehn Jahre nach dem Kriegsende der Wiederaufbau des Landes zwar sehr weit fortgeschritten ist, dies aber nicht mit einer gleichzeitigen Aufarbeitung der Geschehnisse einhergeht, was natürlich insbesondere für die Opfer sehr unbefriedigend sei. Vertrauen in eine gemeinsame Zukunft könne aber nur dann entstehen, wenn eine vorbehaltlose Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erfolge.
- Die Ausführungen von Natasa Tesanovic, der Direktorin des unabhängigen Fernsehsenders ATV (Banja Luka): Als eine der wenigen Frauen in Führungspositionen in Bosnien-Herzegowina vermittelte sie die Problematik der Gleichstellung der Geschlechter Ihr Fazit: seit Anfang der 90er Jahre ist die Entwicklung insgesamt negativ.
In der sehr engagierten Diskussion zu beiden Themen verwiesen mehrere Teilnehmer darauf, dass hier jeweils auch in Deutschland die notwendigen Entwicklungen Zeit benötigt haben und man deshalb in Südosteuropa keine „Wunder“ erwarten dürfe. Beharrliches Engagement sei notwendig und u. U. könnte in beiden Bereichen von den Erfahrungen in Deutschland gelernt werden.
Im diesem Zusammenhang war es erfreulich, dass im Rahmen des „Sozialforums“ erste Organisationen aus NRW Interesse an Kooperationen mit Partnern aus Südosteuropa gezeigt haben.

