Wirtschaftsforum

Die Armut in der Region wurde primär durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und ihre massive Zerstörung während der Krisen und Konflikte in den 90er Jahren verursacht. Dementsprechend wird dem Aufbau und der Entwicklung der Wirtschaft in Bezug auf die Armutsbekämpfung und eine Entschärfung der ethnischen Konflikte eine Schlüsselrolle zugewiesen.

Bei dem „Wirtschaftsforum” geht es deshalb nicht im Sinne von Wirtschaftsförderung um die Anbahnung konkreter Joint Ventures und Investitionen, sondern viel mehr um die Gestaltung der wirtschaftlichen Entwicklung im Dialog zwischen Wirtschaft und Nichtregierungsorganisationen vor Ort und in NRW.

Die Veranstaltung

Im Rahmen des Wirtschaftsforums präsentierten die Referenten sehr unterschiedliche Aspekte der Probleme und Möglichkeiten wirtschaftlicher Entwicklung vor Ort.

Duljko Hasic, Vertreter der Wirtschaftskammer von Bosnien-Herzegowina, benannte mit erfreulicher Offenheit die Probleme, die bisher eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung behindert haben. Abgesehen von den Kriegsschäden wurden von ihm insbesondere die von den Nationalisten betriebene Partikularisierung der Region, die Veruntreuung großer Summen von Hilfsgeldern, die Schattenwirtschaft und die Korruption als Probleme benannt.
So wie wirtschaftliche Fehlentwicklungen instrumentalisiert wurden, um Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts die ethnischen Konflikte anzuheizen, so könnte zukünftig die Wirtschaft positive Entwicklungen erzwingen. Als Beispiele nannte Herr Hasic den auf Grund der schlechten Wirtschaftslage bei den kommenden Wahlen zu erwartenden Machtverlust für die nationalistischen Parteien und eine immer stärkere Durchlässigkeit der Grenzen und regionale Kooperationen.

Die Problematik der Korruption war der Schwerpunkt des engagierten Vortrags von Vanja Calovic, der Vorsitzenden der Nichtregierungsorganisation MANNS aus Montenegro.

Als besonders gravierendes Beispiel präsentierte sie die Privatisierung des Aluminiumwerkes bei Podgorica. Durch den undurchsichtigen Verkauf an eine auf den Jungferninsel residierende Offshore-Firma seien unabsehbare Risiken entstanden:

  • für die montenegrinische Volkswirtschaft, da dass Aluminiumwerk mehr als 50% des BIP erwirtschaftet, aber keine Garantien für die Modernisierung und den Erhalt des Werkes gegeben wurden
  • für die Umwelt, da das Werk auf Grund seiner veralteten Technik eine große Gefährdung für die einmalige Natur in Montenegro darstellt

Abgesehen von diesem besondern markanten Beispiel wirkt sich das starke Engagement russischer Investoren in Montenegro sehr negativ aus, da sie nicht gerade für Nachhaltigkeit und Transparenz stehen.

Die Chancen der bisher nahezu ungeschädigten Natur in Montenegro stellte Miodrag Dragisic von UNDP, dem Entwicklungshilfeprogramm der Vereinten Nationen, dar.

Insbesondere im Bereich des sanften Tourismus und der ökologischen Landwirtschaft zeige sich ein großes wirtschaftliches Potential. Dies könne aber nur dann genutzt werden, wenn man den um sich greifenden „Wildwuchs“ im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Liberalisierung bremsen würde.

Zu guter Letzt beschrieb Sonja Bauer, Projektleiterin für Mittel- und Südosteuropa in der DIHK/ IHK-Gesellschaft zur Förderung der Außenwirtschaft und der Unternehmensführung mbH (Berlin), den aktuellen Stand des Engagements der deutschen Wirtschaft in der Region.Bestanden zu dem ehemaligen Jugoslawien sehr enge wirtschaftliche Beziehungen, so hat sich dies auf Grund der Konflikte während der vergangenen 15 Jahre stark reduziert. Wenn auch die Stabilisierung in letzter Zeit zu einer gewissen Wiederbelebung geführt hat, so ist man jedoch nach wie vor weit davon entfernt, dass ursprüngliche Niveau zu erreichen. Die Gründe hierfür liegen zum einen in den oft mangelhaften Rahmenbedingungen, zum anderen aber auch einfach darin, dass sich deutsche Unternehmen ihrer Meinung nach interessanteren Regionen zugewandt haben.

Nur große Kraftanstrengungen auf beiden Seiten werden diese Bilanz verbessern können.

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Programmverlauf

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Unterentwicklung_als_Chance.pdf

"Unterentwicklung als Chance"

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Erfahrungen_dt_Unternehmer.pdf

"Erfahrungen deutscher Unterhehmer"

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